Erfahrung mit Herrn Fichtlmeier und seiner Hundeschule

Ich hatte das Glück, Herr Fichtlmeier kennenzulernen und seine Ausbildungsmethoden gelehrt zu bekommen.  
  
Sein Unterricht ist immer eine Mischung aus geballten Hundewissen, einem gelungenen bayrisches Volksschauspiel sowie eine Spannung aller Sinne.

Er versucht in jeder einzelnen Stunde mit vollem Engagement die Teilnehmer zum Mit- und Umdenken zu motivieren. Ob bei plus 40 oder minus 10 Grad, zuverlässig ist er mit 120% Einsatz da, tanzt mit den Hunden, debattiert, veranschaulicht und sprudelt vor scharfen Beobachtungen und treffenden Metaphern. Mit dem einzigen Ziel, die Interessierten dazu zu bringen, ihren Hund wirklich zu beobachten und dadurch neu kennenzulernen.

Er macht einem klar, dass vor allen Übungen und Training die Bindung zum eigenem Hund an erster Stelle steht. Und das sich eine Bindung auf Vertrauen, Zuneigung und gegenseitigen Verständnis aufbaut.
 
Da man am Anfang nichts glaubt, wird man gefilmt und es wird gemeinsam besprochen, was die Zeitlupe eingefangen hat. Man erhält über die gemeinsamen Analysen neue Einsichten in die dargestellten Abläufe und Interaktionen.

So kämpft man von Woche zu Woche, sich von den geprägten menschlichen Verhaltens- und Sichtweisen gegenüber Hunden zu verabschieden und mehr und mehr Erkenntnis für das Wesen des Hundes zu gewinnen. Seinen eigenen Hund besser lesen, verstehen und leiten zu können.
 
Dieses Training, die Kommunikationen mit dem Hund zu trainieren, anstatt bestimmte Übungsabläufe zu konditionieren, ist der wesentliche Unterschied zu den mir sonst bekannten Ausbildungsmethoden.
 
Bei jeder Übung wird die Versuchsanordnung verändert, neue Ablenkungen eingebaut und dadurch Hund und Herrchen zum Denken und aktiven Handeln motiviert. Mit automatisierten Ansätzen geht man meistens baden. Es gibt nie die pauschale Antwort. Immer ist man gefordert, den Augenblick und die aktuelle Situation neu zu bewerten und daraufhin zu handeln.

Aber natürlich bedient sich Herr Fichtlmeier auch vieler genialer Tricks, um den Hunden Apportieren, Verweisen und Kommunikation beizubringen. Aber alle diese Tricks bauen immer auf der Intelligenz- und aktuellen Verständnisfähigkeit des Hundes auf und haben niemals etwas mit Druck zu tun. Das ist das nächste Besondere an der Fichtlmeier Ausbildung:

Das binäre System von Herrn Fichtlmeier

Das Prinzip bedeutet, wenn man das Wort, den Befehl oder die Übereinkunft an den Hund richtet, dieser immer (!) in seinem Gesamtausdruck freundlich und motivierend ist.
 
Reagiert der Hund nicht wie erwünscht, prüft man unmittelbar die Gründe: Liegt es an mir, habe ich meinen Wunsch nicht verständlich genug für diesen Hund geäußert oder ist dort vielleicht ein Ameisenhaufen oder Glasscherben wo sich der Hund hinsetzen soll oder hat der Hund umgangssprachlich ausgedrückt, einfach keinen Bock.

Nachdem man die Situation nun innerhalb einer halben Sekunde bewertet hat und sich bewusst wird, dass der Hund einen ignoriert, wechselt man sofort mit Körper und Sprache in das für diesen Hund erfassbare Negative.
 
In der Hundertstelsekunde, in der sich der Hund mir wieder zuwendet, wechselt man sofort in das absolut Positive.
 
Befehle oder der Name des Hundes werden immer freundlich ausgedrückt, niemals aggressiv oder feindlich.
 
Nach dieser Technik kann es nicht passieren, dass man aggressiv ist, wenn sich der Hund einem zuwendet oder in die Augen schaut.

Durch die Kontaktaufnahme des Hundes bin ich ja schon auf dem Weg zum Ziel meiner Wünsche, denn ich habe die Aufmerksamkeit des Hundes, er schaut mich an. Nun kann ich ihm freundlich zeigen, was ich von ihm möchte.
 
Diese Art der Kommunikation wird von Hunden sehr schnell verstanden und dankbar angenommen. Bald kann dieses System verfeinert werden und die Befehle werden immer sensibler übertragen, dass bald nur noch ein Blick genügt.

Für die Mitmenschen ist diese Methode auch wesentlich angenehmer, da das allgemein übliche aggressive Siitz!!! Platz!! Kommst du her du Sauhund!! durch einen freundlichen Ton ersetzt wird.

Fast alle 'Profis' arbeiten nach dem Prinzip, dass auf Widerstand der gewünschte Befehl noch deutlicher artikuliert werden muss. Je mehr Widerstand, desto lauter und energischer der Befehl, damit der Hund folgt. Immer eben etwas mehr Druck wie sich Widerstand zeigt. Um dieses Prinzip zu veranschaulichen, wird dann in Vorträgen mit der rechten Hand ganz fest gegen die linke gedrückt, um das gewonnene Gleichgewicht zu bewundern. 
 
Dieses Prinzip funktioniert gut solange nur eine bekannte Aktion, Konditionierung bzw Übungssequenz ausgeführt werden soll. Wenn man jedoch mehrere aufeinanderfolgende dem Hund unbekannte Versuchsanordnungen hat und eine Stafette von Aktionen ausführen möchte, kommt man mit Druck nicht weit, da der Hund unter steigenden Druck nicht offen für Neues sein kann.

Man braucht nur in sich selbst gehen, um zu nachzufühlen wie das ist, wenn jemand einen wiederholt aggressiv anschreit, das Richtige zu tun. Selbst, wenn man weiß, dass es das Richtige ist und man es ja eigentlich tun möchte, ist man durch den Druck nur eingeschränkt in seinen Möglichkeiten und so etwas wie unbefangene Heiterkeit für den nächsten Schritt mag sich irgendwie nicht entwickeln. Man handelt maschinell mit einem dumpfen Gefühl im Inneren.

Wenn dagegen von dem Gegenüber der Wunsch oder Aufruf zur gemeinsamen Aktion in freundlicher, positiver und respektvoller Gesamthaltung geäußert wird, möchte man diesem gern entsprechen, es kann sogar geistig beflügeln.

Diese binäre Art der Kommunikation ist wesentlich hündischer als die Befehle mit steigenden Druck zu übermitteln.

Denn kein Hund wird den anderen Hund zum Kommen motivieren, indem er ihn anknurrt oder sich aggressiv zeigt. Und kein Hund geht freudig zu dem anderen, weil er ihn anknurrt.

Wenn ein Hund den anderen zu einer Aktion motivieren möchte, zeigt er sich freundlich.