Kreuzbandriss beim Hund und dessen Behandlungsmöglichkeiten (Faszienraffung, TTA, TPLO, Selbstheilung)

Die erste Recherche

Folgende Infos zur Behandlung des Kreuzbandrisses beim Hund sind mir als Erstes aufgefallen. Es gibt die klassischen Heilmethoden, mit OP für Fixierung mit Band oder Bändern; oder neue Methoden wie TPLO oder TTA, welche mit implantierten Titangelenken die komplette Kinematik ändern und ersetzen.

Nach meiner ersten Analyse, gestützt durch Internet und TA, kam ich zu dem vorläufigen Ergebnis, dass für leichte bzw nicht sehr aktive Hunde die konventionellen Operationenen (extrakapsuläre Faszienraffung) eine gute Möglichkeit sein könnten. Bei schweren und aktiven Hunden ist die TTA, bei bestimmten Rassen die TPLO die bessere Wahl.

Entscheidend für die Heilung ist in allen Fällen, jedoch in verschiedener Intensität die Nachsorge. Bei TTA und TPLO ist die Wahl des Chirugen bzw die Qualität seiner Arbeit und Auswahl der Implantate vorentscheidend für Erfolg oder Katastrophe. Auch spielt es eine Rolle, ob der Kreuzbandriss aus einem einmaligem Trauma (z.B. Unfall) oder aus z.B. chronischer Fehlbelastung entstanden ist.

Bei Aisha kam der Kreuzbandriss durch einen Unfall, einem Sprung in unbekanntes Gelände. Ich hörte ein kurzes lautes jähes Jaulen und dann sah ich sie anhumpeln kommen. Ich wußte sofort, dass es ernst ist. Die Röntgenaufnahme einen Tag nach dem Unfall zeigte keinerlei Ablagerungen oder sonstige Alterserscheinungen in den Gelenken.

Selbstheilung ohne Operation

Einen Tag vor einer geplanten OP bin ich dann auf folgenden Link gestoßen: http://www.tiggerpoz.com/index.html. Nach dem wiederholtem Lesen, habe ich dann den OP Termin abgesagt und bin jetzt sehr froh darüber. Hier wurde überzeugend auf eine ganz andere Heilmethode hingewiesen, nämlich die Selbstheilung ohne Operation. Ich wußte bis dahin gar nicht, dass dies auch eine Option ist, bzw. in bestimmten Fällen sogar die Beste. Der Hinweis auf die Selbstheilung als Möglichkeit, findet sich auch in Wikipedia, jedoch unter dem Stichwort 'Kreuzbandruptur', weswegen ich nicht sofort darauf gestoßen bin. 

8 Wochen abwarten und ruhigstellen

Fazit der Infos dieser sehr ausführlichen Website (http://www.tiggerpoz.com/index.html): Ob das Kreuzband angerissen oder abgerissen ist, ob der Hund groß ist oder nicht, man sollte sich und dem Tier immer zunächst einmal 8 Wochen Zeit geben. Tierärzten, die zur sofortigen OP raten, sollte man nicht trauen, da keine Eile geboten ist, solange man die Bewegungsfreiheit des Hundes strikt auf ein Minimum beschränkt, also keinerlei Belastung auf die verletzte Stelle zulässt (auch keine weiteren Untersuchungen, wie den Schubladentest). Unter diesen Umständen erleidet das Gelenk seiner Meinung nach auch keinen weiteren Schaden wie z.B. Arthritis (Gelenksentzündung) oder Meniskusriss usw. 

Während dieser 8 Wochen sollte sich eine zumindest leichte Besserung zeigen (keine Heilung!). Hat eine solche stattgefunden, so kann man davon ausgehen, dass sich das Gelenk von alleine stabilisiert (anscheinend durch eine sukzessive Verstärkung der das Gelenk stabilisierenden Kapsel und des Bandapparates (Fibrosierung)).

Soweit ich es verstehe sind diese 'klassischen' OPs das Einfügen von Bändern zur anfänglichen Stabilisierung des Gelenks, um das zu erreichen was letztendlich die Heilung ist, die Fibrosierung. D.h. man kann sich diese OPs erst mal sparen, wenn man den Hund ruhig stellen kann. Und hat nicht das Risiko durch die OP einen Schaden zu erleiden. Ausserdem sollen diese Bänder nach seiner Aussage meistens nach einer gewissen Zeit reissen oder sich strecken (Quelle: http://www.tiggerpoz.com/id6.html Re-Injury Months After Conventional Surgery Done With Nylon Monofilament Ortho Suture?).

Sollte sich in diesen 8 Wochen keine Besserung zeigen, wird zunächst zu einer weniger invasiven OP  geraten. Sollte diese nichts bewirken, könne man immer noch invasivere Techniken wie TTA und TPLO durchführen lassen.

Von dem sogenannten „meniscal release“ (Info) ratet er ab. Meniscal release bedeutet wohl, dass der Meniskus aus seiner üblichen Position gelöst und innerhalb des Gelenkes verlegt wird, wodurch er weniger oder keinen (weiteren) Schaden nehmen kann, aber auch leider seine Funktionen wie die Stoßdämpfung, Unterstützung der Ernährung des Gelenkes usw. nicht mehr erfüllen kann, was wiederum den Verschleiß fördert. Dieses Verfahren dient somit anscheinend  in erster Linie der Vorbeugung von Schmerzen durch einen potentiell geschädigten Meniskus und fördert aber seiner Meinung nach den Verschleiß des Gelenkknorpels (Arthrose) und sei daher eher kontraproduktiv. Der meniscal release wird z.B. von Dr. Maurer in Heidelberg bei der TTA 'vorbeugend' durchgeführt (Stand 8.2011).

Ich habe nicht die praktische Erfahrung um die Risiken des Nicht-Behandelns abschätzen zu können. Aber ich denke, es ist tatsächlich einen Versuch wert 8 Wochen lang zu warten und zu sehen was passiert.

Andererseits weiß ich noch nicht was der Autor unter dem Endergebnis der Heilung nach mehreren ruhiggestellten Monaten versteht. Nimmt er z.B. ein Auswärtsstellen der Gliedmaße in Kauf oder gar ein ständiges Humpeln  um die Risiken einer invasiven OP zu umgehen? Baut nicht auch der Muskelapparat während dieser letztendlich monatelangen Schonzeit massiv ab, sodass sehr viel mehr Rehabilitationszeit und -mühe notwendig werden?

Diese Selbstheilung ist nur möglich, wenn man den Hund mind. 2 Monate lang 24 Stunden am Tag im Auge hat und wirklich jede (!) falsche Belastung verhindert. Und der Hund muss natürlich möglichst gut drauf bleiben, damit die Selbstheilungskräfte wirken. Also Denksport und Abwechlung einbringen. Nicht jeder kann sich diesen Aufwand erlauben. Nicht jeder Hund läßt dies zu. Auch nach den 2 Monaten, wenn sich eine leichte Besserung eingestellt hat, muss man mind. 6 Monate ein spiezielles Aufbautraining durchführen und immer darauf achten das Gelenk nicht zu sehr zu belasten.

Mein Ziel ist, dass der Hund keine Schmerzen hat und wieder 'normal' laufen kann. Das Risiko nach einer OP ständig Schmerzen zu haben, ist sehr sehr groß und der Hund kann es einem ja nicht wirklich sagen. Aisha ist jetzt 7 Jahre alt und wird wahrscheinlich nach dieser Erfahrung insgesamt sicherlich etwas vorsichtiger werden. Und ich werde sie 1 Jahr lang nicht mehr in unbekanntes Gelände schicken.

Es ist anzunehmen, dass ein TA die Technik der Selbstheilung selten empfehlen wird, da er hiermit fast nichts verdient. Aber die detailierte Aufklärung sollte m.E. stattfinden.

 


 

Erste Woche: Aisha ist gut drauf. Zum Fressen wird das verletzte Bein inzwischen schon auf dem Boden gesetzt, jedoch ohne es zu belasten. Für mein Gefühl gibt es eine winzige Verbesserung.

Das Futter schmeckt ihr, und sie würde gerne wieder sofort lostoben, wenn ich es zulassen würde. Beim Futter bekommt sie 50% unser gutes Demeter Futter für Senioren, 50% gutes Fleisch (gut für den Hund) von unserem Biometzger (3€/Kilo) und immer ein bisserl etwas anderes, wie Eier, Quark, Joghurt, Pansen, Ziemer, Fischöl, Rapsöl, Kalbsknochen, Käse, Früchte, und und und. Möglichst keine Mehlprodukte. Und natürlich nicht zuviel des Guten, da die Verdauung des Hundes aufgrund der Bewegungsarmut auch auf Sparflamme läuft.

Sunny, die 3 jährige Tochter von Aisha, muss man auch stets konsequent davon abhalten, Aisha mit zuviel Liebe zu überschütten. Aisha ist nun stets angeleint (das ist auch unsere Übereinkunft für Ruhe) und wechselt alle paar Stunden ihre Standorte auf unserem Hof, damit es ihr nicht zu langweilig wird.

Zweite Woche: Es ist eine winzige Besserung zu erkennen. Das verletzte Bein wird beim langsamen Gehen leicht abgesetzt, aber kaum belastet. Aisha ist noch gut drauf. Ein gutes Zeichen ist, dass ihre Hinterlassenschaften 'gut' aussehen und dass sie sich nach Ruhephasen ausgiebig streckt. Ich habe inzwischen schon mehrfach gelesen, dass das Strecken nach Ruhephasen bei Tieren ein wichtiger Indikator ist, ob das Tier gesund ist. Ich denke, da ist viel dran. 

Dritte Woche: Alles wie gehabt, also das Gefühl, dass es eine winzige Besserung gibt, aber noch weit entfernt von einer Heilung. Inzwischen sieht man Aisha die Bewegungsarmut an.

Vierte Woche: Der Heilungsverlauf ist m.E. postitiv. Man hatte bisher nie das Gefühl, dass der Hund unter Schmerzen leiden musste, eher unter Langeweile. Sie humpelt nach wie vor. Aber man kann erkennen, dass sich eine Heilung anbahnt. Das Bein sieht in keiner Weise deformiert aus oder so. Für mich ist kein optischer Unterschied, also kein Auswärtsstellen im Vergleich zu dem anderen Bein zu erkennen.

Fünfte Woche: Der Heilungsprozess setzt sich fort. Ich habe den aktuellen Status in einem Video festggehalten:
Video auf Youtube über den Heilungsprozess Kreuzbandriss 5 Wochen nach dem Unfall ohne OP

Sechste Woche: Beim langsamen Gehen ist der Bewegungsablauf fast normal, also besser als in der fünften Woche. Jedoch ist das Knie noch lange nicht stabil. Bei schnelleren Gehen wird das Bein nach wie vor angezogen.

Siebste Woche: Es sieht gut aus soweit. Der Heilungsprozess geht in Minischritten weiter.

10. Woche: Der Heilungsprozess geht in Minischritten weiter. Inzwischen machen wir auch Mini-Spaziergänge an der kurzen Leine. Ich bemerke, dass ich zu nachlässig geworden bin. Daraus resultierte, dass Aisha es geschafft hat, in das Auto zu springen sowie sich noch ein paar wenige weitere Eskapaden dieser Art zu meinem Schrecken zu leisten. Jedoch ohne, dass für mich eine Verschlechterung des Heilungsprozesses ersichtlich wurde. Nichts desto trotz muss eine starke Belastung des Gelenks unbedingt vermieden werden. Bei schnelleren Bewegungen sieht man wie instabil die Verbindung noch ist. Bis jetzt hat Aisha aber m.E. alles Bestens überstanden.
Video auf Youtube über den Heilungsprozess Kreuzbandriss 10 Wochen nach dem Unfall ohne OP

14. Woche: Ab dieser Woche werden wir 2 - 3 Mal die Woche einen Water Walker (http://www.water-walker.de/) für den Muskelaufbau zusätzlich nützen. Aisha lies sich bei der heutigen Premiere ohne Probleme in das Gerät eintauchen und begann nach nur gut 1 Minute mit dem gewünschten Bewegungsablauf (feiner Hund). Nach dem Aussteigen aus dem Gerät muss man höllisch aufpassen, dass der aufgepuschte nasse Hund nicht auf dem glatten Boden der Praxis ausrutscht. Weise ist der Tierarzt, der dies sicher verhindert, z.B. durch temporär ausgelegte Gummimatten, etc. Der Water Walker ist neben dem Muskelaufbau im Besonderen gut für die Ausführung des normalen Bewegungsablauf, da sich der Hund ohne Schmerzen bewegen kann. Ohne Water Walker wird das verletzte Bein kaum belastet und es würde eine falsche Haltung eintrainiert, welche zu weiteren Problemen führen könnte.

Bis jetzt habe ich noch keinen praktizierenden Tierarzt getroffen, welcher Interesse für die Vorgehensweise und die Inhalte der tiggerpoz Website zeigte, obwohl der Kreuzbandriss anscheinend die häufigste vorkommende Verletzung dieser Art beim Hund ist. Der gute Heilungsverlauf bei Aisha gibt mir m.E. recht. Jedoch lässt sich erst in 3 - 9 Monaten ein Resümee ziehen. Auch habe ich es bis jetzt noch nicht geschafft, ein für mich aufklärendes Gespräch mit den praktizierenden Tierärzten zu führen, wo detailliert auf den Umstand eingegangen wird, dass die eingefügten Bänder bei der Faszienraffung OP, ob eigene oder Kunststoffbänder, nur die letztendliche Heilung, die Fibrosierung mit unterstützen. Jedoch Risiken bei der OP bestehen, welche bei der Selbstheilung entfallen. Oder dass sich die einzufügenden Bändern strecken oder reissen können. Stets wird darauf hingewiesen, dass es nie Probleme bei einer OP gab und dass der Hund nach 3 Monaten wieder voll im Arbeitsdienst tätig sein kann. Dies deckt sich aber nicht mit den Aussagen der tiggerpoz Website, d.h. dass ich genau die Tierärzte ausgewählt haben muss, welche bei ihren OPs und Heilungsverläufen aussergewöhnliche Erfolgsraten zu verzeichnen haben, die weit über den Durchschnittswerten liegen. 

5 Monate: Aisha geht inzwischen wieder gut. Jedoch lasse ich sie noch nicht im vollen Einsatz laufen, da bei schnellem Spurt noch ersichtlich ist, dass sie das verletzte Bein immer noch nicht voll einsetzt und ich keinen Rückfall riskieren möchte..Beim Gehen oder langsamen Laufen sieht der Bewegungsablauf inzwischen gesund aus.

6 Monate: Aisha ist meines Erachtens wieder geheilt. Ich kann keine Einschränkung mehr in der Bewegung erkennen.

Video auf Youtube über den Heilungsprozess Kreuzbandriss 6 Monate nach dem Unfall ohne OP

 

Weitere Infos:

Aus http://www.tiggerpoz.com/index.html  (frei übersetzt)
Ein Artikel über Kreuzbandriss Operationen in dem "Journal of the American Veterinary Medical Association" zeigte auf, wieviel Hunde nach der Kreuzbandriss Operation zu 100% in der 'Funktion' wieder hergestellt wurden:
Das waren 14.9% der Hunde, welche mit lateral suture stabilization (LSS),
15% der Hunde, welche mit intracapsular over-the-top stabilization (ICS) und 10.9% der Hunde, welche mit tibial plateau leveling osteotomy (TPLO) behandelt wurden.
Es wurden hierbei die Hunde nicht gewertet, welche nicht zu 100% geheilt wurden, aber aufgrund nur leichter Verschlechterung trotzdem ein gutes weiteres Leben führten.
Der Autor möchte jedoch hiermit klarstellen, dass die Risiken der OPs von den Tierärzten nicht ausreichend erläutert werden, denn die Prozentzahl der zu 100% wieder hergestellten
Hunde ist mit 10% bis 15% sehr gering.

Aus http://www.tiggerpoz.com/id6.html (frei übersetzt)
Von der Medikation mit schmerzstillenden Medikamenten, wie NSAID (Non-Steroidal Anti-Inflammatory Drugs) wie z.B. Rimadyl, Deramaxx, Metacam und Aspirin, welche regelmäßig verschrieben werden, ratet er i.d.R. ab, aufgrund der starken häufigen möglichen Nebenwirkungen und da der Schmerz den Hund davon abhält das Gelenk zu belasten. Auch erklärt er, dass der Entzündungsprozess eine wichtige Komponente im Heilungsprozess darstellt und nicht mit Medikamenten beeinflußt werden soll.

Aus http://www.tiggerpoz.com/id6.html (frei übersetzt)
Von der Verwendung von Bandagen oder Orthesen rät der Autor i.d.R. ab, außer wenn sich nach 8 Wochen keine Besserung gezeigt hat, oder bei so schweren Verletzungen, dass durch die Bandage die losen Teile zusammengehalten werden, oder wenn der Hund nicht kontrollierbar ist und somit nicht ruhig zu stellen wäre. Er rät ab, da die Bandage nicht das Ruhigstellen ersetzen kann und ggf. durch den Druck der Bandage Schmerzen und Haltungsfehler beim Hund entstehen können, welche zu einem falschen Zusammenwachsen der geschädigten Bereiche führen kann. Beim Menschen würde er schon eine Bandage empfehlen, da der Mensch sich äußern kann, ob die Bandage perfekt sitzt oder irgendwo zwickt.

 

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