Goldene Regeln für die Hundeerziehung

Schon ab der 3. Woche sollten beim Züchter neben der Gabe von viel Zuneigung, wichtige Erfahrungen gemacht und Übereinkünfte getroffen werden. Was der Welpe bis zur 10. Woche lernt, ist fest in sein Gehirn eingebrannt und sein ganzes Leben abrufbar, auch wenn es jahrelang nicht wiederholt wurde. Wenn der Welpe im Alter ab 10 Wochen zu Ihnen kommt, sind Sie sofort in der nächsten wichtigsten Lebensphase des Hundes. Dem Hund zuliebe sollte man darauf achten, nicht schon am Anfang viel falsch zu machen, um sich später langwierige Therapien und Stressspiralen zu ersparen.

Beachten Sie folgende goldenen Regeln!

  • Haben Sie Spass und Freude! Und übertragen Sie dies auf den Hund, wenn er es gut gemacht hat..
  • Gehen Sie nicht auf einen Welpen zu, sondern lassen sie ihn immer zu sich kommen. Am Besten bietet sich hier die Hocke als Zeichen zum Kommen an.
  • Verwenden Sie in den ersten Monaten nur optische Befehle, wie Hand- und Körperzeichen! Dadurch gewöhnt sich der Welpe an, Sie anzuschauen ;-) Verwenden Sie die Stimme nur zur Äusserung von positiven (schrill hell und fröhlich) oder missmutigen Lauten (laut dunkel, bedrohlich).
  • In dem Moment in dem Sie der Welpe anschaut, wechseln Sie immer sofort, ohne Ausnahme und übertrieben in das Positive! All Ihre Wünsche wurden erhört! Der Welpe wendet sich Ihnen zu. Nun zeigen Sie Ihm freundlich was Sie möchten. Schauen Sie dem Welpen bei missmutigen Lauten und Gehabe nicht in die Augen!
  • Reagieren Sie unmittelbar und absolut eindeutig. Halten Sie sich an die '1 Sekunde Regel'. D. h. Sie haben max. eine Sekunde nach der Aktion des Hundes Zeit, darauf entsprechend positiv mit Lob oder negativ mit Misslauten einzuwirken. Und das auch nur solange der Hund nicht schon etwas anderes macht. Das muss man üben, üben, üben.
  • Werfen oder kicken Sie keine Bälle oder Stöcke, denn hiermit lernt der Hund das unkontrollierte Hetzen nach bewegten Objekten. Er wird damit von fliehenden Objekten ausgelöst, anstatt von Ihnen! Es kann dazu kommen, dass der Hund deswegen alles hetzen wird, was sich bewegt. Vögel, Katzen, Radfahrer, Jogger, laufende Kinder, ... Es wird durch das stereotypische Werfen des Stöckchens nicht das Denken des Hundes gefördert, sondern ausschließlich das unkontrollierte triebgesteuerte Hetzen von fliehender Beute tief eingeprägt.
    Richtig ist, wenn der Hund von Ihnen ausgelöst wird und nicht von einem Objekt
    . 'Richtiges' Apportieren bedeutet mit dem Hund zu kommunizieren und nicht ihn seinen Trieben allein zu überlassen.
  • Gewöhnen Sie sich vom ersten Moment an, mit dem Welpen immer zu tauschen, anstatt wegzunehmen.
  • Bauen Sie auf Vertrauen und Selbstbewustsein. Halten Sie Ihren Hund nie gegen seinen Willen fest. Wenn Sie spüren, dass sich der Hund befreien möchte, ziehen Sie sich sofort übertrieben zurück und zeigen Sie dem Hund, dass Sie ihn nicht gegen seinen Willen halten werden. Wenn er sich befreit hat, motivieren Sie ihn freundlich dazu, dass er freiwillig kommt (z.B. in die Hocke gehen, motivierende Laute rufen und sich vom Hund wegdrehen). Fangen Sie den Hund nicht ein und schon zweimal nicht zum Anleinen. Packen Sie nur zu, wenn es dem Hund recht ist (z.B. beim gemeinsamen Kuschelraufen) oder wenn Sie den Hund aus einer bedrohlichen Lage befreien müssen. Wenn der Hund z.B. beim Tierarzt nicht auf den Tisch möchte, dann behandeln Sie ihn, wenn möglich am Boden. Und trainieren bis zum nächsten Mal die Tischsituatiion mit lustigen Übungen.
  • Wenn Sie das Haus bzw den Hund verlassen, verhalten Sie sich stets so, als ob Sie gleich wieder kommen würden. Oder wenn Sie nach Abwesenheit zum Hund zurück kommen, verhalten Sie sich entsprechend gelassen, als ob Sie nur für einen kleinen Moment weg gewesen wären. Dadurch vermeiden Sie das Aufbauen von Verlustängsten und unnötiges Leiden des Hundes. Schenken Sie Ihrem Hund Ihre Liebesbekundungen und größten Emotionen, wenn er etwas richtig gemacht hat.
  • Sehen Sie vom Konditionieren von Zerrspielen ab! Ansonsten lernt der Hund von frühster Kindheit, mit Ihnen um seine Beute zu kämpfen, sich mit Ihnen auf eine Stufe zu stellen, Ihre Souveränität stetig in Frage zu stellen. Auch wenn Sie eine VPG/SH oder Polizeiausbildung anstreben, werden Sie sehr viel Vorteile, einen intelligenteren Hund, eine bessere Standfestigkeit und einen hohen Sicherheitsgewinn aus dieser Prägung ziehen. Die Beisskraft und Nackenmuskulatur kann z.B. durch Tragen von Gewicht-Apporteln aufgebaut werden. In der Regel machen nur Hunde auf ähnlicher Rangstufe Zerrspiele miteinander.
    Durch ständige Zerrspiele wird der Hund auf das Beißen, das automatisierte Zupacken konditoniert. Er kann dann kaum mehr selbst entscheiden, ob das Zerrspiel für sein Gegenüber oder die Situation ok ist, sondern ist seinen Trieben ausgeliefert. Dadurch beraubt man dem Hund wesentlicher Entscheidungsmöglichkeiten.
    Gerade bei kleinen Kindern, welche gerne Dinge in Besitz nehmen (das ist meins!) kann die Prägung des Hundes mit Zerrspielen fatale Folgen haben. Auch wird ein Hund, der ständig Zerrspiele angeboten bekommt, häufig davon träumen. So kann es vorkommen, dass der Hund unbewußt im Schlaf einfach mal zupackt. D.h. Hunde, welche sehr auf Zerrspiele konditioniert werden, dürfen niemals ohne Aufsicht mit Kindern oder auch Erwachsenen allein gelassen werden. Man nimmt ihm dadurch ein großes Stück Freiheit.
    Ab dem Alter von einem Jahr bringe ich meinen Hunden auch 'Zerrspiele' bei, da es den Hunden eine gewisse Freude macht und da es von den SH Verbänden gefordert wird. Jedoch mache ich es selten, nicht als Belohnung und nicht wiederholt. Damit gehört es zwar zum Repertoire der vielen Dinge, welche der Hund gelehrt bekommen hat und bei Bedarf eingesetzt werden kann. Jedoch wird es niemals konditioniert, um dem Hund die Möglichkeit zu geben, hierbei selbst entscheiden zu können und nicht automatisiert ausgelöst zu werden.

  • Überprüfen Sie sich stets neu, ob die Übereinkünfte und Kommunikation stimmig sind. 

Mit Leine

Aisha hat bei mir noch nie negative Erfahrungen mit der Leine gemacht. Warum?

Weil sie bereits an der Leine ist! Der Hund ist um den Hals gefesselt und Sie haben die Leine in der Hand.
Legen Sie sich einmal selbst das Halsband an und lassen Sie sich von Ihrem Partner durch die Gegend führen. Einmal mit verbundenen Augen, einmal mit Sicht auf das Geschehen. Sie werden dann sehr genau das spüren können, was Ihr Hund fühlt. Nämlich der mit der Leine ist der Boss. Man kann ihm nicht aus. Man ist auf seine Hilfe und Führung angewiesen. Jeder wird den mit der Leine in der Hand, zu Anfang sehr genau beobachten und versuchen ihn zu lesen. Seine Signale zu verstehen. Ihm sich mitzuteilen. Zusätzlich müssen Sie sich noch vorstellen, dass der Welpe nicht Ihren Erfahrungsschatz hat, aber er fühlt erstmal dasselbe.

Aber dann kommen die Momente, dass sich Herrchen unterhält und der Hund an der Leine von anderen Hunden oder Menschen bedrängt wird. Was ein Stress für den Hund, denn er kann ja nicht aus. Und dann wird noch öfters an der Leine herumgerissen an der sensibelsten Stelle des Hundes und Bedrohungen oder Schlimmeres aus kürzester Distanz ausgestossen. Das Warum kann der Hund nicht erahnen. Er wird die Leine nicht mehr mögen. Er wird sich verändern und mental absondern. Dann wird er eingefangen oder mit Tricks an die Leine gelegt. Es beginnt die Spirale der Gewalt, der Unsicherheit und Missverständnisse.

Für Aisha ist die Leine ein Bereich des absoluten Vertrauens. Ich habe zwar immer den Weg bestimmt und wir haben viel an der Leine geübt, jedoch habe ich versucht den Hund dabei nie zu konfrontieren und immer Ruhe und Sicherheit auszustrahlen. Andere Hunde, welche Aisha bedrängen wollten, wurden von mir abgeblockt. Aisha versteht, das andere Hunde an der Leine tabu sind. Ich habe beobachtet und entspannt selektiert, welche Menschen Sie an der Leine 'streicheln' können und dies nur zugelassen, wenn es ihr recht war. Beachten Sie hierzu das Buch, 'Der Hund an der Leine' von Anton Fichtlmeier.

Insgesamt lege ich die Leine jedoch sehr selten an.

Sie können eine sehr tiefe Bindung zum Hund gewinnen. Dafür brauchen Sie viel Zeit, perfektes Timing, Reaktionsvermögen, viel Einfühlungsvermögen und schauspielerisches Engagement, damit der Hund Sie auch verstehen kann.

Die Kunst ist eigentlich nur, dem Hund nichts 'Falsches' beizubringen, denn jeder Hund will immer alles 'Richtig' machen.

 


 
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